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Für und Wider der Sonntagsöffnung

08.08.2022 • 19:31 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Mehr Flexibilität wünschen sich auch Vertreter aus der Branche.<span class="copyright">Shutterstock</span>
Mehr Flexibilität wünschen sich auch Vertreter aus der Branche.Shutterstock

Ein Neos-Antrag im Landtag fordert flexible Öffnungszeiten.

Durchaus unterschiedlich sehen die Verantwortlichen im Vorarlberger Handel die Diskussion um flexiblere Öffnungszeiten. Die Neos fordern diese in einem Antrag im Landtag (die NEUE berichtete), um den stationären Einzelhandel zu unterstützen. So solle den Händlern künftig die Möglichkeit gegeben werden, die Ladenöffnungszeiten an Werktagen sowie für das Wochenende und an Feiertagen selbstständig festzulegen. Vorläufig sollte ab heuer jede Gemeinde die Möglichkeit haben, „über eventbezogene Öffnungen des Einzelhandels an zumindest vier Sonntagen im Jahr selbstständig entscheiden zu können“. Von der ÖVP gab es diesbezüglich bereits eine Absage.

Familiengeführte Unternehmen

Die Nachfrage bei Vertretern der Wirtschaft zeigt bezüglich der Sonntagsöffnung ein durchaus unterschiedliches Bild. In der Bludenzer Innenstadt dürfte eine generelle Sonntagsöffnung im Handel nicht wirklich ein Thema sein, wie Natascha Arzberger, Geschäftsführerin des Bludenzer Stadtmarketings, erklärt. Viele der Unternehmen seien familiengeführt, und vielfach sei es schon schwierig, die Verantwortlichen für die Öffnung zu speziellen Events am Abend zu begeistern. Ein bedeutenderes Thema sei dagegen die Sonntagsöffnung in der Gastronomie. Denn die Betriebe in dieser Branche dürften zwar aufsperren, vielfach führe jedoch – wie auch andernorts – der Mitarbeiter-Mangel zu Problemen. Diesbezüglich arbeite man in der Alpenstadt gerade an neuen Strategien, wie neues Personal rekrutiert werden kann.

Natascha Arzberger ist Geschäftsführerin des Bludenzer Stadtmarketing. <span class="copyright">Stadt Bludenz</span>
Natascha Arzberger ist Geschäftsführerin des Bludenzer Stadtmarketing. Stadt Bludenz

Ein Mal pro Halbjahr

Für eine Flexibilisierung der Öffnungszeiten, ohne die Sonntagsruhe in Frage zu stellen, ist dagegen Clemens Sagmeister, Obmann der Wirtschaftsgemeinschaft Bregenz (Wigem). Der Unternehmer plädiert dafür, das von der Politik Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es auf Gemeinde-Ebene ermöglichen, einzelne Sonntage mit großer regionaler Bedeutung und erhöhter regionaler Nachfrage definieren zu können. An diesen sollen die Geschäfte dann geöffnet werden dürfen. In einem ersten Schritt kann sich Sagmeister vorstellen, dass es diese Möglichkeit ein Mal pro Halbjahr geben soll. Das könne in der Landeshauptstadt beispielsweise ein Sonntag in der Adventszeit oder auch der Sonntag in der Eröffnungswoche der Bregenzer Festspiele sein.

Clemens Sagmeister ist Obmann der Wirtschaftsgemeinschaft Bregenz. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Clemens Sagmeister ist Obmann der Wirtschaftsgemeinschaft Bregenz. Stiplovsek

„Dies würde die Kaufkraftabwanderung ins grenznahe Ausland eindämmen und Differenzierungsmöglichkeiten für die einzelnen Gemeinden bieten“, meint der Wigem-Obmann. Er kann sich diesbezüglich auch einen Abtausch mit dem 8. Dezember vorstellen, um die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht zusätzlich zu belasten. Denn dieser verliere als Einkaufstag zunehmend an Bedeutung und ziehe auch kaum mehr Gäste aus dem Ausland an.

Eva Molnar-Thielmann ist Obfrau der Werbegemeinschaft "inside Dornbirn". <span class="copyright">Hartinger</span>
Eva Molnar-Thielmann ist Obfrau der Werbegemeinschaft "inside Dornbirn". Hartinger

Eva Molnar-Thielmann, Geschäfsführerin des Juweliergeschäfts O. Rein und Obfrau der Werbegemeinschaft „inside Dornbirn“ zeigt sich bezüglich einer generellen Sonntagsöffnung auch eher skeptisch. Auch in der Dornbirner Innenstadt gibt es nach Angaben der Obfrau viele Inhaber-geführte Geschäfte. Die Unternehmer stünden – wie auch sie selbst – meist von Montag bis Samstag im Laden. Umso wichtiger sei daher der freie Sonntag.

Personalsuche

Ebenso gibt die Geschäftsfrau zu bedenken, dass es wohl nicht einfach wäre, Personal für die Arbeit am Sonntag zu rekrutieren. Bereits jetzt sei es schwierig, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, berichtet Molnar-Thielmann aus eigener Erfahrung. Oftmals sei es schon abschreckend für Bewerber, dass sie am Freitag- oder Samstagnachmittag arbeiten müssen. Die Freizeit habe in den vergangenen Jahren deutlich an Stellenwert gewonnen. Dieser Trend habe sich schon vor der Coronapandemie feststellen lassen, sei durch diese jedoch noch verstärkt worden, glaubt die „inside“-Obfrau.

Die Öffnungen an einzelnen Sonntagen anlässlich bestimmter Events kann sich die Unternehmerin jedoch durchaus vorstellen. Allerdings müssten solche speziellen Anlässe gut vorbereitet sein und vor allem im Vorfeld gut kommuniziert werden. Denn nur dann seien diese auch sinnvoll. Sie verweist auf den verkaufsoffenen Sonntag vor Weihnachten im vergangenen Jahr. Hier hätten angesichts der besonderen Lage alle mitgezogen und auch die Kundinnen und Kunden seien durch Berichte im Vorfeld entsprechend informiert gewesen.

ÖVP erteilt Absage

Veronika Marte, Landtagsabgeordnete und ÖAAB-Landesobfrau, sieht „keine Notwendigkeit für verkaufsoffene Sonntag im Vorarlberger Handel“. Der siebte Tag der Woche sei der Familientag und solle dies auch bleiben. Marte kann der Argumentation der Neos nichts abgewinnen. Der Druck, dem der stationäre Handel durch die Onlinekonkurrenz ausgesetzt sei, habe nichts damit zu tun, dass die Läden am Sonntag nicht geöffnet hätten. „Dass sich vieles in den Online-Bereich verschiebt mag zwar richtig sein, aber wer unter der Woche im Internet einkauft, wird auch am Sonntag diese Möglichkeit nutzen und nicht in ein Geschäft gehen“, zeigt sich die ÖVP-Abgeordnete überzeugt.

Der ÖAAB habe zudem in einem kürzlich präsentieren Leitantrag den Sonntag als Familientag festgelegt. An diesem Credo sei auch nicht zu rütteln, betonte Marte. Schon im vergangenen Jahr habe sich gezeigt, dass ein verkaufsoffener Sonntag nicht unbedingt die Umsätze steigere. Die Konsumenten hätten das Angebot in der Vorweihnachtszeit kaum angenommen.

Rückblick

Am 19. Dezember des vergangenen Jahres durfte der Handel erstmals österreichweit aufsperren. Der Branche sollte damit die Gelegenheit gegeben werden, zumindest einen Teil der Verluste auszugleichen, die durch einen Lockdown in der Vorweihnachtszeit entstanden waren. Die Ergebnisse waren durchaus unterschiedlich. Mancherorts in Österreich lief das Geschäft gut. In Vorarlberg zeigten sich die Konsumenten eher verhalten. Dies zeigte ein Rundruf, den die NEUE damals unternahm.

In den Einkaufszentren war man durchaus zufrieden mit der Kundenfrequenz. Sowohl im Messepark in Dornbirn als auch im Zimbapark in Bürs sei der Andrang am Vormittag noch nicht so groß gewesen. Nachmittags sei die Frequenz dann besser gewesen, hieß es aus beiden Einkaufszentren. In Grenzen habe sich die Zahl der Bummelnden gehalten, berichtete Messepark-Geschäftsführer Burkhard Dünser über den verkaufsoffenen Sonntag. Die Menschen seien vor allem gezielt unterwegs gewesen, um etwas zu kaufen.

Unisono berichteten die Handelsvertreter – egal ob in den Einkaufszentren oder in den Regionen –, dass der Samstag vor dem verkaufsoffenen Sonntag deutlich mehr Umsatz gebracht habe. Zugleich sei der Tag aber für den Handel eine wichtige Chance gewesen, nach Ende des Lockdowns wieder Präsenz zu zeigen.

Auch Michael Tagwerker, Geschäftsführer der Sparte Handel meinte, dass es „nicht der überwältigende Ansturm“ gewesen sei. Das Weihnachtsgeschäft habe dadurch jedoch nicht gerettet werden können.

Österreichweit wurde am 19. Dezember Schätzungen des Handelsverbands ein Umsatz von 180 Millionen Euro erzielt. Am Samstag – also einen Tag zuvor – seien etwa 380 Millionen Euro in die Kassen des Handels gespült worden. Durch den Lockdown bei der vierten Coronawelle waren die Geschäfte an drei der Einkaufssamstagen im Advent geschlossen gewesen.

Der große Ansturm blieb am Premieren-Einkaufssonntag im Vorjahr aus. <span class="copyright">Sams</span>
Der große Ansturm blieb am Premieren-Einkaufssonntag im Vorjahr aus. Sams