Sanitäter für Smartphones

Koray Kiratli (48) ist erfahrener Handyreparateur in der Handy Ambulance Lustenau, die kürzlich 35-jähriges Jubiläum feierte.
Wie sind Sie Handyreparateur geworden?
Koray Kiratli: Ich bin eher zufällig zu diesem Beruf gekommen. Nachdem ich gemerkt habe, dass mir die Arbeit liegt und Spaß macht, habe ich bei meiner damaligen Firma gekündigt. Dann bekam ich die Möglichkeit, eine Lehre im Einzelhandel mit Schwerpunkt Telekommunikation zu machen. Die habe ich abgeschlossen und anschließend mehrere Jahre mit demjenigen gearbeitet, der mir damals die Chance gegeben hat, einzusteigen. Vor etwa vier bis fünf Jahren habe ich dort gekündigt und im Technikraum angefangen. Seitdem arbeite ich hier bei der Handy Ambulance, habe mich weiterentwickelt und viel gelernt. Insgesamt bin ich jetzt seit ungefähr sechs Jahren in der Handytechnik tätig.
Welche Werkzeuge benutzen Sie?
Kiratli: Für Handyreparaturen benutzen wir hauptsächlich drei bis vier spezielle Werkzeuge. . Zum Beispiel arbeiten wir mit kleinen Schlüsseln, Spachteln und Schraubenziehern, besonders mit Kreuzschraubenzieher. Bevor wir ein Handy öffnen, müssen wir es immer zuerst heiß machen, damit man das Gehäuse überhaupt auseinanderbekommt. Danach kommen Spachteln, eine Pinzette und solche kleinen Feinwerkzeuge zum Einsatz.
Was hat man vor 35 Jahren repariert?
Kiratli: In den ersten sechs Jahren haben wir noch nichts mit Handys gemacht. Ab etwa 1995, als die ersten Handys kamen, haben wir zuerst Handycovers verkauft und später einfache Reparaturen wie Displaytausch gemacht – damals waren es nur Tastenhandys wie jene von Nokia. Weil es kaum Reparaturstellen gab, kamen viele direkt zu uns. Früher haben wir alles noch an der Tankstelle repariert, bevor wir später zu unserem aktuellen Standort gewechselt sind.
Sind Smartphones heutzutage schwieriger zu reparieren als früher?
Kiratli: Ja. Die Kunden kommen zu uns, weil moderne Smartphones viel empfindlicher sind als die alten Modelle. Die Technik ist sehr fein, man braucht viel Fingerspitzengefühl und muss oft nachschauen, wie ein Modell genau aufgebaut ist. Dafür gibt es sogar ein großes Techniker‑Netzwerk mit tausenden Mitgliedern. Weil die Geräte so komplex sind, lassen die Leute sie lieber von uns professionell reparieren. Der häufigste Fehler, den Kunden machen, ist tatsächlich, dass sie ihren Sperrcode vergessen.