Lokal

Öffnung: Rettung in letzter Sekunde

03.03.2021 • 11:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Im Oktober hatten die Gastronomen in einem Trauermarsch die Gastronomie zu Grabe getragen. <span class="copyright">Paulitsch</span>
Im Oktober hatten die Gastronomen in einem Trauermarsch die Gastronomie zu Grabe getragen. Paulitsch

Gastro-Fachgruppenobmann Pansi über Hoffnungen trotz Unklarheiten.

Der Beschluss der Regierung über erste Öffnungsschritte der Vorarl­berger Gastronomie ist natürlich ein sehr erfreulicher“, ist Mike Pansi, Fachgruppenobmann der Sparte Gastronomie in der Wirtschaftskammer, überzeugt. Immerhin handle es sich dabei um eine lang ersehnte Entscheidung, die keinesfalls später hätte getroffen werden dürfen.
„Einige Betriebe hatten zuvor bereits eine Galgenfrist bis Ostern gesetzt. Hätte es bis dahin keine neuen Regelungen gegeben, hätten sich die Betroffenen also der Krise geschlagen gegeben müssen. Die gestern angekündigte Öffnung der Gastronomie war demnach für viele eine Rettung in letzter Sekunde.“

Wichtiges Signal

Umso größer falle die Freude innerhalb der Sparte über die Entscheidung der Regierung aus. „Wir sind außerdem sehr zuversichtlich, dass es sich dabei auch um die richtige Entscheidung handelt. Immerhin hat sich Vorarlberg in kürzester Zeit von einer Art ‚Bad Boy‘ zu einem Musterschüler in Sachen Krisenbewältigung gemausert“, erzählt Pansi stolz. Dem Fachexperten zufolge ein wichtiges Signal, das verdeutlicht, dass eine Verbesserung der Rahmenbedingungen durchaus möglich ist, wenn sich nur fleißig an die Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen gehalten wird. „Denn die Pandemie wird uns noch länger begleiten. Erleichterung verschaffen kann jedoch unser gewissenhafter Umgang mit der Krise.“

Ausarbeitung der Details

Und obwohl der Öffnungstermin mit dem 15. März nicht mehr weit entfernt liegt, herrscht derzeit noch große Unsicherheit über den konkreten Vorgang und die Maßnahmen. „Die Details müssen nun erst einmal durch die Zusammenarbeit von der Branche und der Landesregierung ausgearbeitet werden.“
Dabei sei besonders ein verantwortungsvoller Umgang mit der Thematik von Nöten. „Die Öffnung der Gastro darf nicht als ein Freibrief zurück in das gewohnte Partyleben gesehen werden. Öffnung um jeden Preis ist definitiv nicht unser Ziel“, ist der Gastronom überzeugt.

„Damit uns das Pferd nicht davongaloppiert“

Während andere Vorarlberger Gastronomien nach all der Zeit endlich einmal einen Grund zum Aufatmen haben, bleibt die Situation einer Untergruppe auch weiterhin äußerst prekär. Das weiß auch Fachgruppenobmann Mike Pansi.

„Für uns als Interessensvertretung ist und bleibt die Situation der Vorarlberger Nachtgastronomie natürlich ein sehr schwieriges, wenn nicht sogar das schwierigste Thema“, erklärt Pansi. „Das schmerzt natürlich auch uns und die gesamte Sparte sehr, immerhin bilden auch die Abend- und Nachtbetriebe einen wichtigen Teil unserer Branche.“

Kein Freifahrtschein. „Doch trotz aller Öffnungsschritte bleibt immer wieder deutlich zu sagen, dass diese noch keinenfalls eine Art Freifahrtschein zum ausgelassenen Feiern darstellen. Wir werden auch weiterhin einen sehr verantwortungsvollen Umgang und eine Menge Disziplin im Bezug auf die Maßnahmen an den Tag legen müssen, damit uns das Pferd nicht davongaloppiert“, erklärt der Fachgruppenobmann in aller Deutlichkeit.

Branche muss sich neu erfinden. Und dies schließe besonders auch die Nachtgastronomie, zumindest in jener Form und Struktur, in der sie vor der Corona-Krise gehandhabt worden war, ein. „Aus diesem Grund bin ich auch der Ansicht, dass sich dieser Bereich unserer Branche noch mehr neuorganisieren und auf eine gewisse Art und Weise auch ganz neu erfinden muss. Daran führt aus momentaner Sicht kein Weg vorbei“, ist der Fachexperte überzeugt.

Bestätigt würde diese Auffassung auch durch betroffene Vertreter der Sparte, wie Pansi weiter erklärt. „Wie ich auch immer wieder von Seiten der Nachtgastronomen mitbekomme, teilen auch einige von ihnen die Ansicht, dass ein Rückgang in das Gewohnte in dieser Form vorerst nicht möglich sein wird. Es braucht ein Umdenken.“

Pansi selbst sieht sich in dieser Diskussion als Fachgruppenobmann in der Pflicht, den Wünschen und Bedenken der Gastronomie-Branche ausreichend Gehör zu verschaffen. „Denn natürlich gibt es auch gewisse Regierungsmaßnahmen, die in der Gastronomie schlichtweg nicht einzuhalten wären oder bei denen noch Diskussionsbedarf besteht.“

Redebedarf

Ein Problem stelle unter anderem die Abstandspflicht von zwei Metern dar. „Das wäre jedoch in der Gastronomie kaum umsetzbar, immerhin beheimatet das Ländle auch viele klein-strukturierte Betriebe.“
Auch was die Eintrittstests anginge, bestünde noch Diskussionsbedarf, immerhin lebe die Gastronomie-Branche vor allem auch von Spontanbesuchen. „Aus diesem Grund sprechen wir uns ganz klar für die Anerkennung von Wohnzimmer- oder sogenannten Nasenbohr-Tests aus“, liefert der Fachgruppenobmann einen möglichen Lösungsvorschlag.

Trotz der Öffnungsschritte für die Gastronomie, bleibt die Situation für Nachtlokale weiter prekär. <span class="copyright">Symbolbild/Shutterstock</span>
Trotz der Öffnungsschritte für die Gastronomie, bleibt die Situation für Nachtlokale weiter prekär. Symbolbild/Shutterstock

Denn eines ist Pansi klar: Für eine sinnvolle und funktionierende Öffnung der Gastronomie brauche es einen einfachen, massentauglichen Zugang.