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„Wenn die Baustraße da ist, wird Rad gefahren“

05.05.2024 • 16:00 Uhr
Achtal Initiative Achtalweg
Die Gruppe nach der Ankunft in Doren-Bozenau. Kompatscher

Eine neu formierte Initiative spricht sich gegen einen größeren Ausbau im Achtal aus. Kürzlich hat die Gruppe dort mit Experten eine ­Wanderung unternommen.

Etwas Schöneres als das Achtal kenne ich in der Gegend nicht“, sagt Hubert Österle. Der ehemalige Professor der Universität St. Gallen ist an der Bregenzerach in Wolfurt aufgewachsen. Das Achtal ist für ihn „ein Teil der Heimat“, den er nach wie vor häufig und gern begeht. Gemeinsam mit Wolfgang Dietrich und Gerold Schneider hat er nun eine Initiative ins Leben gerufen, die sich für den Erhalt der Schönheit und der Ursprünglichkeit des Tals entlang der Ach zwischen Kennelbach und Doren-Bozenau ausspricht.

„Wenn die Baustraße da ist, wird Rad gefahren“
Das Achtal ist seit 1995 ein Europaschutzgebiet (Natura-2000-Gebiet). Klaus Hartinger

Seit vielen Jahren gibt es wie mehrmals berichtet eine teils heftige und emotionale Diskussion über die Errichtung eines Fahrradwegs auf der im Achtal verlaufenden ehemaligen Trasse der Bregenzerwaldbahn. Dem wurde – zumindest vorerst – vonseiten des Landes eine Absage erteilt. Ein naturschutzrechtliches Gutachten hatte im Vorjahr wie berichtet ergeben, dass ein Radweg im dortigen Europaschutzgebiet ein „extrem hohes Verfahrensrisiko“ berge.

Wanderweg-Beschluss

Seit dem Frühjahr 2022 gibt es aber auch einen Landtagsbeschluss, der – unabhängig vom Radweg – im Achtal die Herstellung eines sicheren Wanderwegs vorsieht. Ein verfahrensrechtliches Risiko dafür stufen die Experten als weitaus geringer ein, wobei es auf das konkrete Vorhaben ankomme, wie es bei der Präsentation des naturschutzrechtlichen Gutachtens hieß. Rund 2,5 Millionen Euro sind für diesen Weg im heurigen Budget vorgesehen. Bis zu über 25 Millionen Euro könnten es für einen Komplett­ausbau werden.

Achtalweg mit Initiative
Hubert Österle. Kompatscher

In einem ersten Schritt sollten heuer die Rickenbach- und die Rotachbrücke saniert und eine Baustraße errichtet werden. Die Baustraße ist es, die der Initiative unter anderem Sorge bereitet: „Wenn eine mehrere Meter breite Baustraße errichtet wird, wird die früher oder später von Fahrradfahrern benutzt“, gibt Österle zu bedenken. Nachsatz: „Dann geht es zu wie früher auf der Pipeline in Bregenz. Dann kann man nicht mehr laufen.“ Auch die beiden Tunnel im Achtal habe man ohne Baustraße sanieren können, stellt er fest.

Achtalweg mit Initiative
Die Gruppe vor einem der beiden Tunnel. Kompatscher

Vor einigen Tagen sind Österle und rund ein Dutzend seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter den Achtalweg zwischen Kennelbach und Doren gegangen. Dazu hatten sie einen Experten und eine Expertin eingeladen: den Geotechniker Martin Widerin, der unter anderem an der Sanierung der beiden dortigen Tunnel beteiligt war, und die Geologin Beate Feichter. Im Rahmen der Wanderung lieferten die beiden aufschlussreiche Informationen über die Geologie des Gebietes und den Zustand diverser Bauten.

So besteht die Gegend überwiegend aus Schichten von Sandstein und Mergel, die relativ instabil sind. Auf der anderen Seite der Bregenzerach sei die Hangrutschgefahr noch höher, wie zu erfahren war. Seinem Gefühl nach – ohne dass er das belegen könne – habe sich der Zustand des Weges mit dem Hochwasser 2005 geändert, erzählte Widerin. Während vorher noch alles relativ intakt gewesen sei, seien nachher allerorts Schäden feststellbar gewesen. Was er in Hinblick auf einen Wanderweg tun würde? „Alles so lassen und nur an den neuralgischen Punkten ansetzen.“

Achtalweg mit Initiative
Geotechniker Martin Widerin informierte über den Zustand der Bauten. Kompatscher

“Sensationell schön”

„Unser Wunsch ist, dass alles so bleibt, wie es ist“, heißt es auch vonseiten der Initiative. Befürchtet wird, dass durch einen größeren Ausbau zum Wanderweg auch die Hintertür für den Fahrradweg geöffnet wird. Und dass damit die Schönheit, Ruhe und Ursprünglichkeit des Tals verloren geht, auf die bei der Wanderung mehrmals hingewiesen wurde. „Hier ist es einfach sensationell schön“, stellte Österle fest, der damit die einhellige Meinung der Gruppe vertritt.

„Wenn die Baustraße da ist, wird Rad gefahren“
Hier ist die Bahntrasse noch gut sichtbar. Hartinger

Einig ist man sich auch, dass die Errichtung einer Baustraße ein massiver Eingriff wäre. Die für den Wanderweg geplanten Gelder könnten zudem für Sinnvolleres ausgegeben werden. „Aus unserer Sicht ist es absolut ausreichend, wenn es einen Wanderweg mit Eigenverantwortung der Wanderer gibt, auf dem der Alpenverein oder Freiwillige jene Stellen, die vielleicht gefährlich sind, sicher macht.“ Die Initiative der Gruppe richtet sich dabei nicht gegen Radfahrerinnen und Radfahrer, wie betont wird. „Wir sind selbst überzeugte Radfahrer“, heißt es, „aber alles am richtigen Ort.“ Nun will die Gruppe erst mal die weitere Entwicklung abwarten.

Landtagsvertreter
Regio-Obmann Guido Flatz glaubt nicht, dass heuer im Achtal baulich noch viel passiert. Daniel Mauche

Eigentlich hätten die Bauarbeiter bereits auf der Trasse anrücken sollen. Das ist aber nicht passiert. „Es gibt noch Gespräche zwischen Regio Bregenzerwald, Land und Gemeinden“, sagt dazu ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück. Noch im Mai soll es laut Frühstück einen Termin aller Beteiligten geben, in dem unter anderem geklärt werden soll, wer Bauherr ist, ob Regio oder Land. Dann gebe es noch die verfahrensrechtlichen Angelegenheiten. Er geht davon aus, dass zumindest die Brücken noch heuer saniert werden. Dort gebe es großen Handlungsbedarf – „das müsste sich ohne Baustraße ausgehen“, so der ÖVP-Klubobmann. Das Datum für den gemeinsamen Termin gibt es laut Guido Flatz noch nicht. Flatz ist Bürgermeister von Doren und Obmann der Regio Bregenzerwald. Ob heuer noch was passiere, sei schwer zu sagen. „Maximal das eine oder andere bei den Brücken“, kann er sich vorstellen.