Wintersechseck und Sternbilder: So faszinierend ist der aktuelle Nachthimmel

Milden Temperaturen und Schneemangel zur Trotz: Die Sternbilder zeigen den Winter an.
Meteorologisch dauert der Winter vom 1. Dezember bis zum 28. Februar. Derzeit befinden wir uns ziemlich genau in der Mitte der Winterperiode. Astronomisch beginnt der Winter, wenn die Mittagssonne am tiefsten Punkt des Jahres steht und die Nächte am längsten sind. Das war am 21. Dezember. Ab Anfang Februar nimmt die Tageslänge wieder deutlich zu. Zu Frühlingsbeginn am 20. März steht die Mittagssonne senkrecht über dem Äquator. Bekannterweise können die gemessenen Temperaturen stark von den Erwartungen für die jeweilige Jahreszeit abweichen. Ein Blick zum Sternenhimmel gibt Sicherheit. Derzeit steht das Wintersechseck hoch am Himmel. Es setzt sich aus den hellsten Sternen von sechs eindrucksvollen Sternbildern zusammen. Der Winterhimmel hält einige Juwelen bereit.
Zwillinge und Stier
Beginnen wir mit einer Mondbeobachtung um 22 Uhr. Der fast zur Hälfte beleuchtete Mond steht im Westen und geht erst nach Mitternacht unter. Mit dem Fernglas beobachten wir die Krater und Gebirge an der Licht-Schatten-Grenze. Richten wir den Blick nach Südosten. Das hellste Objekt ist der Planet Jupiter mit seinen Monden, von denen bis zu vier im Fernglas auszumachen sind. Er ist neben dem Mond das derzeit hellste Objekt am Nachthimmel, steht am Rande des Milchstraßenbandes und inmitten des Sternbilds Zwillinge. Die beiden hellen Sterne östlich, links, von Jupiter sind Castor und Pollux, die 50 und 34 Lichtjahre entfernt sind. Der etwas hellere Pollux ist ein Stern des Wintersechsecks. Östlich davon schließt das unscheinbare Sternbild Krebs mit dem offenen Sternhaufen „Krippe“, einem schönen Fernglasobjekt, an. Westlich im Tierkreis folgt der Stier mit dem rötlichen Stern Aldebaran in 67 Lichtjahren Entfernung. Beim Sternbild Stier sollten wir etwas verharren und das Fernglas auf die Plejaden und Hyaden, zwei schöne Sternhaufen, richten. Zwischen Pollux und Aldebaran steht fast im Zenit der Stern Kapella in einer Distanz von 42 Lichtjahren. Er ist der Hauptstern des Fuhrmanns und der dritthellste Stern am Nordhimmel.
Orion und die beiden Hunde
Im Süden befindet sich in halber Höhe der Himmelsjäger Orion. Mit seinen drei Gürtelsternen in einer Linie ist das Sternbild nicht zu übersehen. Unterhalb des Gürtels liegt der Orionnebel, ein Sternentstehungsgebiet in 1350 Lichtjahren Distanz. Rigel heißt der rechte Fußstern des Orion. Er ist 850 Lichtjahre entfernt und gehört zum Wintersechseck. Er leuchtet trotz der großen Distanz so hell, weil er 60.000-mal leuchtkräftiger als die Sonne ist. Vervollständigen wir das Wintersechseck mit Sirius und Prokyon. Sirius befindet sich 25 Grad über dem Horizont. Der Hundsstern ist der hellste Fixstern und mit 8,6 Lichtjahren Distanz einer unserer Nachbarn. Er hat einen weißen Zwergstern als Begleiter, der im Fernglas jedoch nicht zu erkennen ist. Im alten Ägypten war der Frühaufgang des Sirius ein zeitlicher Hinweis auf die nahende Nilschwemme. Prokyon ist 11,5 Lichtjahre entfernt und der Hauptstern des Kleinen Hunds. Auch er wird von einem weißen Zwergstern begleitet.
Das Wintersechseck setzt sich aus den hellen Sternen Pollux, Kapella, Aldebaran, Rigel, Sirius und Prokyon zusammen. Beteigeuze, der linke Schulterstern des Orion, dem eine Supernova-Explosion bevorsteht, wird mit den beiden Hundssternen Prokyon und Sirius manchmal Winterdreieck genannt.
Im Fernglas funkeln die unzähligen Sterne der Milchstraße, die vom Südosten zum Zenit aufsteigt und zum Nordwesthorizont wieder absinkt. Tief im Osten kündigt das Sternbild Löwe den Frühling an.
Robert Seeberger