Sieben Generationen Gastlichkeit

Anna‑Lena Moosbrugger gibt dem Kreuz eine frische Handschrift und bleibt der Region treu.
Wer den Gasthof Kreuz in Bildstein besucht, spürt sofort, dass dieses Haus von Geschichte und echter Gastfreundschaft lebt. Seit 1822 ist das Gasthaus in Familienhand, heute führt Anna-Lena Moosbrugger den Betrieb in siebter Generation. “Mein Opa hat schon gesagt, als ich sechs war: Das wird die nächste Kreuzwirtin”, erzählt sie. Damals habe sie das noch nicht ernst genommen, heute steht sie mit spürbarer Leidenschaft hinter dem Wirtshaus.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Im Inneren wurde es teilweise renoviert und sorgfältig modernisiert. Im oberen Stockwerk befinden sich sechs Gästezimmer, die vor allem von Wanderern und Ausflüglern geschätzt werden. Die Terrasse bietet rund 65 Plätze, ebenso viele befinden sich in der Gaststube. Insgesamt kommt der Gasthof damit auf etwa 130 Sitzplätze. Viele Gäste kehren allein wegen des Ausblicks ein, denn von der Terrasse aus öffnet sich ein Panorama, das an klaren Tagen weit über das Rheintal reicht.

Hausgemacht, regional, ehrlich
Kulinarisch setzt Moosbrugger auf gutbürgerliche Küche, die hausgemacht ist und stark in der Region verwurzelt bleibt. “Wir machen unsere Maultaschen selbst und füllen sie mit Produkten aus der Umgebung. Die Kartoffeln kommen aus Lauterach, die Eier aus Alberschwende und das Fleisch oft direkt vom Hof meines Papas”, erzählt sie. Für sie ist es selbstverständlich, ganze Tiere zu verarbeiten und möglichst viel davon zu nutzen. Dieser Zugang, so betont Moosbrugger, prägt die Küche im Gasthof Kreuz und macht sie für viele Gäste besonders authentisch.

Am Nachmittag gibt es eine kleine Karte mit Toastvarianten, Wurst- und Lumpensalat oder warmen Hauswürsten. Vegetarisch und vegan ist der Gasthof ebenfalls stark aufgestellt: Spinat-Bergkäse-Knödel, vegetarische Maultaschen, Kaspressknödel oder ein veganes Gemüse-Kokos-Curry. Im Frühling kommt Bärlauchrisotto dazu. “Im Oktober braucht’s keinen Bärlauch mehr, wir kochen saisonal”, sagt die Kreuzwirtin.
Besonders bekannt ist der Gasthof inzwischen für seine Kuchen. “Die Leute merken, dass sie wirklich hausgemacht sind. Das ist nicht mehr überall so”, erzählt die Bildsteinerin. Jeden Tag entsteht eine neue, selbst gemachte Kuchenvariation, die sich nach den verfügbaren Zutaten richtet. Je nach Saison sind das unter anderem Rhabarber-, Erdbeer- oder Apfelkuchen, immer frisch und immer variierend.

Treffpunkt für alle
Der Gasthof Kreuz zieht ein breites Publikum an: Touristen, Einheimische, viele Wanderer aus den Nachbargemeinden und eine große Zahl an Stammgästen. “Wir haben Gäste, die jede Woche da sind. Manche sogar öfter.” Besonders im Frühling, wenn der Wallfahrtsbetrieb rund um Bildstein zunimmt, wird es im Gasthaus spürbar lebhafter.
Für Familienfeiern ist das Gasthaus ebenfalls beliebt. Sowohl Taufen als auch runde Geburtstage oder kleine Feste bis etwa 30 Personen können hier gefeiert werden. “Für gemütliches Beisammensein sind wir perfekt. Zum Tanzen wird’s irgendwann zu eng”, sagt sie schmunzelnd.

Gemütlichkeit und Nähe
Was viele Gäste besonders schätzen, ist die Atmosphäre im Gasthof. “Die urige Gemütlichkeit und das familiäre Klima sind das, was uns ausmacht”, sagt Moosbrugger. Dieses Gefühl zieht sich durch den ganzen Betrieb, vom Team, das sie bewusst als “Gasthausfamilie” bezeichnet, bis zu den Gästen, die stets mit einem Lächeln begrüßt werden. “Es ist schön, wenn jemand sagt: Die hat mich wiedererkannt. Das macht etwas mit den Leuten.”
Auch beim Service setzt sie auf Ruhe statt Hektik. “Ich will, dass der Gast Zeit hat. Dass er in Ruhe essen kann, vielleicht noch einen Nachtisch nimmt und einfach bleibt.” Tische werden nicht im Zwei-Stunden-Takt durchgetauscht. Das ist ein Prinzip, das viele Stammgäste besonders schätzen.
Beständigkeit
Auf die Frage nach Zukunftsplänen antwortet sie bewusst bodenständig: “Unser Plan ist eigentlich die Beständigkeit. Wir wollen, dass sich der Gast lange wohlfühlt und wir bei unseren regionalen Produkten bleiben können.” Regional bedeutet für sie nicht nur Österreich. “Mir geht’s um die Kilometer, nicht um die Grenze. Das Allgäu ist für mich genauso regional.”
Qualität ist für sie nicht verhandelbar und sie spricht offen darüber, dass Kompromisse für sie nicht infrage kommen. “Billiges Fleisch nehmen, damit die Gewinnspanne höher ist? Das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.” Viele Gäste bestätigen ihr diesen Weg. “So ein gutes Schnitzel habe ich lange nicht mehr gegessen”, hört Moosbrugger oft. Rückmeldungen wie diese bestärken sie in ihrem Anspruch.

Ohne Familie geht es nicht
Besonders wichtig ist ihr der Familienaspekt. “Ich habe eine starke Familie im Hintergrund, ohne die würde das alles nicht laufen.” Mit zwei kleinen Kindern und unregelmäßigen Arbeitsfenstern wäre der Alltag sonst kaum zu bewältigen. “Wenn du jemanden für zwei Stunden brauchst, wer kann das schon? Da springt die Familie ein.” Für die Kreuzwirtin ist diese Unterstützung die Grundlage dafür, dass Beruf und Familie überhaupt zusammengehen.
Moosbrugger setzt nicht auf große Kampagnen. “Meine Werbung ist, dass ich vor Ort bin. Wenn der Gast zufrieden ist, erzählt er es weiter.” Für sie ist das die ehrlichste Form der Weiterempfehlung und so funktioniert der Gasthof seit Generationen.
Gasthof Kreuz
Adresse: Dorf 72, 6858 Bildstein
Telefonnummer: 05572/58370
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 22 Uhr, warme Küche von 11.30 bis 13.45 Uhr und 17.30 bis 20.30 Uhr, Sonntag bis 19.30 Uhr