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Diese unscheinbaren Hindernisse können Einsatzkräfte wertvolle Zeit kosten

24.09.2026 • 11:35 Uhr
Diese unscheinbaren Hindernisse können Einsatzkräfte wertvolle Zeit kosten
Julian Müller ist Feuerwehrmann und Polizist. Stiplovsek

Unklare Angaben können wertvolle Minuten kosten. Julian Müller von der Feuerwehr Dornbirn erklärt, welche Informationen im Notruf helfen.

Fast jeder kennt solche Situationen: Auf Google Maps poppt die Meldung „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ auf, doch egal, wohin man sich dreht, das Ziel ist nirgends zu sehen. In verwinkelten Nebenstraßen kleiner Gemeinden, auf versteckten Privatwegen in Bergdörfern und bei komplizierten Hausnummerierungen in Wohnhäusern ist nicht jedes zu Hause leicht zu finden.

Diese unscheinbaren Hindernisse können Einsatzkräfte wertvolle Zeit kosten
Müller im Gespräch mit der NEUE. Stiplovsek

Julian Müller aus Dornbirn weiß das nur zu gut. Der 24-Jährige ist hauptberuflich Polizist und seit acht Jahren bei der Feuerwehr. Die meisten Straßen im Einsatzgebiet kennt er, trotzdem haben auch ihn örtliche Gegebenheiten bereits vor Herausforderungen gestellt. Anlässlich der Initiative #DieRichtigeAdresse sprach Müller mit der NEUE über vermeidbare Hindernisse für Einsatzkräfte und darüber, wie Bürger im Ernstfall helfen können. „Vorarlberg ist relativ urban gewachsen, und mittlerweile wird sehr viel neu gebaut“, erklärt Müller. Deshalb seien die Hausnummerierungen nicht immer leicht nachvollziehbar. Das klassische Prinzip, wonach gerade Nummern auf der einen und ungerade Nummern auf der anderen Straßenseite liegen, helfe bei der ersten Orientierung zwar oft weiter. Auf diese Regel allein könnten sich Einsatzkräfte aber längst nicht mehr verlassen.

Durchnummeriert

Besonders herausfordernd seien Unter- und Top-Nummern. Sie tragen Buchstaben wie A, B oder C und stehen nicht zwingend in einer nachvollziehbaren Reihenfolge. Als weiteres Beispiel nennt Müller die Südtiroler-Siedlungen, in denen Wohnungen über mehrere Häuser hinweg durchnummeriert sind. „Wenn eine Wohnung dann die Nummer 1039 oder 1040 trägt, kann es schon kompliziert werden“, sagt der Dornbirner. In größeren Wohnanlagen kommen mitunter noch Stiegen, Stockwerke und Türnummern hinzu.

Diese unscheinbaren Hindernisse können Einsatzkräfte wertvolle Zeit kosten
Die Notrufzentrale hält die Einsatzkräfte durch ein eigenes System ständig auf dem Laufenden. Stiplovsek

Bei ausgelösten Brandmeldeanlagen in öffentlichen oder Industriegebäuden, ist die Situation meist einfacher. Die Feuerwehr erhält in diesen Fällen bereits mit der Alarmierung wichtige Informationen: Wo befindet sich das Feuerwehrbedienfeld? Wie gelangt man ins Gebäude? Welche Zufahrt ist vorgesehen? Schwieriger wird es bei Einsätzen in Einfamilienhäusern, Wohnanlagen oder abgelegenen Objekten. Dort entscheidet die genaue Verortung oft darüber, wie rasch die Einsatzkräfte tatsächlich am richtigen Ort eintreffen.

Im Dunkeln gelassen

Gerade in der Nacht kann eine unauffällige Zufahrt zum Problem werden. Regen, Schnee und schlechte Sicht erschweren die Orientierung zusätzlich. Hausnummer 13a könnte sich etwa hinter dem Gebäude mit der Nummer 13 befinden und nur über einen privaten Zufahrtsweg erreichbar sein. Auch eine Einfahrt zu einem Firmenareal sei für jemanden, der zum ersten Mal dort unterwegs ist, nicht immer sofort als solche zu erkennen, sagt Müller.

Tetris in der Einfahrt

Das kostet nicht nur Zeit. Rückt ein Löschzug mit mehreren Fahrzeugen in eine enge Straße ein und muss anschließend umkehren, entsteht schnell Hektik. „Wenn man dann schon in einer kleinen Gemeindestraße steht und drei Lkw zurückfahren müssen, das ist das, was Hektik verursacht und somit Fehler begünstigt“, erklärt Müller. Umso hilfreicher sei es, wenn eine Person die Einsatzkräfte, sofern möglich und ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, an der Straße erwartet und einweist.

Diese unscheinbaren Hindernisse können Einsatzkräfte wertvolle Zeit kosten
Müller ist seit seinem 16 Lebensjahr bei Feuerwehr tätig. Stiplovsek

 Dabei geht es nicht allein darum, die richtige Haustür zu finden. Feuerwehr, Rettung und Polizei müssen auch wissen, wo sie ihre Fahrzeuge positionieren können. In einer Sackgasse oder auf einer schmalen Zufahrt kann die Reihenfolge der ankommenden Fahrzeuge entscheidend sein. Ist ein Tanklöschfahrzeug erst einmal mit zahlreichen Schläuchen verbunden, lässt es sich nicht einfach umstellen. Bei größeren Einsätzen wird deshalb häufig ein Einsatzleitfahrzeug vorausgeschickt, das die Örtlichkeit prüft und die weitere Zufahrt koordiniert. Auch beim Notruf können Bürger die Arbeit der Einsatzkräfte erleichtern. Neben der exakten Adresse sind Hinweise auf schmale Zufahrten, fehlende Wendemöglichkeiten, Brücken mit Gewichtsbeschränkungen oder schwierige Parkplatzsituationen besonders wertvoll. „Wenn man sagt, die Zufahrtsmöglichkeiten sind schwierig, steht das zum Teil schon auf der Alarmierung drauf“, sagt Müller. Diese Information erreiche die anrückenden Kräfte dann noch vor dem Eintreffen am Einsatzort.

Diese unscheinbaren Hindernisse können Einsatzkräfte wertvolle Zeit kosten
Stiplovsek

Wichtig sei vor allem, dem Disponenten die Fragen möglichst genau zu beantworten. Was ist passiert? Wie viele Personen sind betroffen? Wer ruft an? Und wo genau befindet sich der Einsatzort? Die Rettungskette werde parallel zum Gespräch bereits in Gang gesetzt, zusätzliche Hinweise könnten dann laufend weitergegeben werden. Das gilt etwa dann, wenn sich die Lage verändert oder sich herausstellt, dass keine oder eine weitere Person in Gefahr ist. „Je mehr man dem Disponenten erzählt, desto detaillierter kann er den Einsatzkräften Informationen weitergeben“, betont Müller.

Wichtig für Mieter

Bei Wohnanlagen kann es außerdem helfen, eine ortskundige oder zuständige Person zu kontaktieren – etwa die Hausverwaltung, den Vermieter oder einen Nachbarn, der sich im Gebäude auskennt. Diese Personen können im Ernstfall Angaben zu Zugängen, Technikräumen oder besonderen Gegebenheiten machen. Auch eine gut sichtbare Hausnummer ist für die Einsatzkräfte ein entscheidender Vorteil.

Vor Ort

Für Müller ist die Botschaft der Initiative deshalb klar: Eine präzise Adresse, vollständige Angaben beim Notruf und eine kurze Einweisung können wertvolle Minuten sparen. „Das Einweisen ist super“, fasst er zusammen. Gerade dort, wo Straßen eng, Häuser versteckt oder Zufahrten unübersichtlich sind, kann das im Ernstfall den entscheidenden Unterschied ausmachen.  

#DieRichtigeAdresse

Die Initiative

Mit #DieRichtigeAdresse appellieren Feuerwehr, Rotes Kreuz, die Österreichische Post, der Städtebund und der Gemeindebund an die Bevölkerung, ihre Adress- und Namensschilder zu überprüfen und zu aktualisieren, um besser und schneller gefunden zu werden. Mehr Information dazu unter: www.dierichtigeadresse.at

Zum Schluss erinnert Müller daran, dass die Feuerwehr in Dornbirn zum überwiegenden Teil ehrenamtlich organisiert ist. „Wir machen das gerne und unentgeltlich.“ Für die Motivation sei es jedoch nicht förderlich, wenn die Feuerwehr zu eigentlichen Hausmeistertätigkeiten gerufen werde. „Eine Katze, die um zwei Uhr nachts seit zwei Stunden auf einem Baum sitzt, ist nicht unbedingt ein Notfall für die Feuerwehr“, sagt Müller. Bleibe das Tier jedoch über längere Zeit in einer akuten Notlage, müsse die Situation natürlich anders beurteilt werden. Müller ergänzt: „Das Gleiche gilt auch für einen Keller, in dem fünf Zentimeter Wasser stehen.“ Das sei dann in der Regel eine Aufgabe für Hausmeister oder Eigentümer, nicht für die Feuerwehr.