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Verbrechensopfer ist der Streitschlichter

02.02.2021 • 19:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der unbescholtene Angeklagte wurde wegen des Verbrechens der schweren Körperverletzung zu einer teilbedingten Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt. <span class="copyright">Symbolbild/Klaus Hartinger</span>
Der unbescholtene Angeklagte wurde wegen des Verbrechens der schweren Körperverletzung zu einer teilbedingten Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt. Symbolbild/Klaus Hartinger

Geldstrafe für 15-Jährigen: Schüler erhielt zwei Schläge ins Gesicht.

Zum Opfer eines Verbrechens wurde ausgerechnet ein Streitschlichter. Der Schüler wollte im Oktober 2020 in Bregenz während einer verbalen Auseinandersetzung unter Jugendlichen die Kontrahenten voneinander trennen. Der 15-jährige Angeklagte mischte sich ein und versetzte dem Schüler zwei Faustschläge ins Gesicht. Das Tatopfer erlitt dabei einen verschobenen Nasenbeinbruch, der operiert werden musste, und eine Gehirnerschütterung.
Dafür wurde der unbescholtene Angeklagte gestern am Landesgericht Feldkirch wegen des Verbrechens der schweren Körperverletzung zu einer teilbedingten Geldstrafe von 1200 Euro (300 Tagessätze zu 4 Euro) verurteilt. Davon beträgt der unbedingte, dem Gericht zu bezahlende Teil 600 Euro. Die anderen 600 Euro wurden für eine Probezeit von drei Jahren auf Bewährung bedingt nachgesehen. Das Urteil von Richterin Sabrina Tagwercher ist rechtskräftig.

Strafrahmen

Der Strafrahmen für den Jugendlichen belief sich auf null bis zweieinhalb Jahre Gefängnis. Die verhängte Geldstrafe entspricht fünf Monaten Haft. Der Täter muss dem Opfer als Teilschmer­zengeld 500 Euro überweisen. Zivilrechtlich werden auf den 15-jährigen Tschetschenen noch weitere Schadenersatzforderungen zukommen.
Verteidiger Joachim Matt klärte ihn darüber auf, dass er mit Kosten von mehreren Tausend Euro rechnen müsse. Opferanwältin Anita Einsle kündig­te an, ihr Mandant werde sich aus kosmetischen Gründen einer weiteren Nasenoperation unterziehen.
Verteidiger Matt meinte, eine Diversion mit einem außergerichtlichen Tatausgleich wäre schon eine ausreichende Sanktion. Einem solchen moderierten Konfliktgespräch verweigerte aber Staatsanwältin Konstanze Manhart ihre Zustimmung. Weil der Jugendliche schon einmal wegen Körperverletzung angezeigt worden sei. Da er zur Tatzeit noch nicht 14 Jahre alt gewesen sei, sei das Verfahren eingestellt worden.

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