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Anklage: Schon mit 14 NS-Wiederbetätigung

22.05.2021 • 20:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Lehrling soll per Whatsapp 112 Bilder mit NS-Inhalten und 11 Fotos mit Kinder- und Jugendpornografie verschickt haben. <span class="copyright">ap</span>
Lehrling soll per Whatsapp 112 Bilder mit NS-Inhalten und 11 Fotos mit Kinder- und Jugendpornografie verschickt haben. ap

Lehrling soll zudem Kinder- und Jugendpornografie verschickt haben.

Der Angeklagte war erst 14 Jahre alt und damit soeben strafmündig geworden, als er nach Darstellung der Staatsanwaltschaft Feldkirch 2019 damit begonnen hat, sich nationalsozialistisch wiederzubetätigen und Jugend- und Kinderpornografie zu versenden.

In der am Landesgericht Feldkirch eingebrachten Anklageschrift werde ihm vorgeworfen, er habe zwischen 2019 und 2020 mit seinem Smartphone 112 Stickerbilder mit nationalsozialistischen Inhalten und elf Bilder mit Kinder- und Jugend­pornografie per Whatsapp verschickt.
Das teilte auf NEUE-Anfrage Gerichtssprecher Norbert Stütler mit.

Prozess im Juni

Der inzwischen 16-jährige Lehrling sei, so der Sprecher des Landesgerichts, wegen der Verbrechen nach dem Verbotsgesetz und der Vergehen der pornografischen Darstellung Minderjähriger rechtswirksam angeklagt worden. Der Geschworenenprozess am Landesgericht finde am 23. Juni statt. Die Strafverhandlung im Schwurgerichtssaal sei von 9 bis 18 Uhr anberaumt worden.

Für Jugendliche beträgt bei einem Schuldspruch der Strafrahmen nach dem Verbotsgesetz null bis fünf Jahre Gefängnis. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Er ist mit einer Vorstrafe belastet.

Am Landesgericht ist der Minderjährige aus dem Bezirk Bludenz wegen Einbruchsdiebstahls und schwerer Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Darauf wird für den Fall eines Schuldspruchs im Schwurgerichtsprozess bei der Strafbemessung mit einer Zusatzstrafe Rücksicht zu nehmen sein.

“Lustig gefunden”

Die judenfeindlichen Sprüche auf den Stickerbildern und die pornografischen Fotos habe er damals lustig gefunden, sagte der Beschuldigte bei der Polizei. Mittlerweile wisse er, dass das Verschickten der Bilder einfach nur dumm gewesen sei und es dafür keine Entschuldigung gebe. Der Beschuldigte distanzierte sich von nationalsozialistischem Gedankengut. Im Dritten Reich hätten Ermordungen „ohne richtigen Grund“ stattgefunden.

Ins Lächerliche gezogen

Mit dem Versenden der Sticker hat der Angeklagte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in Kauf genommen, dass Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes teilweise ins Lächerliche gezogen und Adolf Hitler verharm­lost wurde.

Bei Ermittlungen wegen Vermögensdelikten wurde das Mobiltelefon des Jugendlichen im August 2020 sichergestellt und ausgewertet. So konnte fest­gestellt werden, dass der Lehrling gleich 112 Sticker verschickt hat.t.

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