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Tödlicher Unfall: Auto fuhr auf Radfahrer auf

07.07.2022 • 15:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Symbolbild/Hartinger
Symbolbild/Hartinger

Teilbedingte Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung: Hätte von Gegenverkehr geblendete Autofahrerin gebremst, wäre laut Urteil Auffahrunfall in Schlins vermeidbar gewesen.

Wegen fahrlässiger Tötung wurde die unbescholtene Angestellte mit dem Nettoeinkommen von 2100 Euro am Donnerstag am Bezirksgericht Feldkirch zu einer teilbedingten Geldstrafe von 6300 Euro (180 Tagessätze zu je 35 Euro) verurteilt. Davon beträgt der unbedingte, dem Gericht zu bezahlende Teil 2100 Euro. 4200 Euro wurden für eine Bewährungszeit von drei Jahren bedingt nachgesehen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, denn die Angeklagte und der Bezirksanwalt nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Die mögliche Höchststrafe wäre ein Jahr Gefängnis oder eine Geldstrafe von 720 Tagessätzen gewesen.

Mitverschulden des Radfahrers

Die Strafe fiel auch deshalb milde aus, weil nach Ansicht von Richterin Michaela Österle dem Radfahrer ein gravierendes Mitverschulden zukommt. Denn der 39-Jährige fuhr am Morgen des 13. Jänner 2022 bei Dunkelheit in Schlins auf der Schlinserstraße mit einem Mountainbike ohne Licht und ohne Rückstrahler und war dunkel gekleidet. Um 7.20 Uhr wurde er von hinten vom Auto der 55-jährigen Angeklagten erfasst und über die Leitplanke der Landesstraße 74 auf eine Böschung geschleudert. Der Vater eines Sohnes erlag noch an der Unfallstelle den erlittenen Verletzungen.

Mitverantwortlich gemacht für den tödlichen Unfall wurde die Autofahrerin, der die Strafrichterin mangelnde Aufmerksamkeit im Straßenverkehr zur Last legte. Demnach hätte die vom Fernlicht eines entgegenkommenden Autos geblendete Pkw-Lenkerin ihr Fahrzeug von 60 auf 10 Stundenkilometer abbremsen müssen. Dann wäre es nicht zur Kollision gekommen.

Wie im Blindflug weitergefahren

Die Richterin berief sich dabei auf das Gutachten des verkehrstechnischen Sachverständigen Christian Wolf. Der Gutachter sagte, mit leichtem bis mittleren Abbremsen hätte die Autolenkerin die Geschwindigkeit auf 10 km/h verringern können. Ihr Tempo bei der Kollision mit dem mit 10 km/h fahrenden Radlenker habe 55 Stundenkilometer betragen. Weil sie vom Fernlicht des Autos im Gegenverkehr geblendet worden sei, sei sie wie im Blindflug weitergefahren.

Ihr Leben sei seither kaputt

Die 55-jährige Angeklagte gab an, sie habe den Fuß vom Gas genommen, ohne Erfolg die Lichthupe betätigt und den Radfahrer vor ihr nicht gesehen. Sie habe auf dem Brückenabschnitt mit keinem Hindernis gerechnet. Ihr Leben sei seit dem tödlichen Unfall kaputt. Verteidiger Stefan Denifl beantragte einen Freispruch, weil eine Tempoverringerung von den erlaubten 60 auf 10 Stundenkilometer nicht zumutbar sei.

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