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“Er stand mit dem Fleischmesser vor mir”: Ex-Ehefrau erhebt schwere Vorwürfe

13.07.2026 • 16:00 Uhr
"Er stand mit dem Fleischmesser vor mir": Ex-Ehefrau erhebt schwere Vorwürfe
Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe. NEUE

Nach einem nächtlichen Polizeieinsatz landete ein 27-jähriger Mann vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine Ex-Ehefrau mit einem Messer bedroht und geschlagen zu haben. Der Angeklagte bestreitet die Tat.

Mitten in der Nacht kehrt ein Mann nach zwei Wochen in die gemeinsame Wohnung zurück. Wenig später steht die Polizei vor der Tür. Was sich in den Minuten davor zwischen den Eheleuten abgespielt hat, ließ sich auch vor Gericht nicht mehr eindeutig klären. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 27-jährigen afghanischen Staatsbürger aus dem Oberland gefährliche Drohung und Körperverletzung vor. Er soll seiner damaligen Ehefrau ein etwa 25 Zentimeter langes Fleischmesser vorgehalten, ihr mit dem Umbringen gedroht und sie gegen den rechten Oberarm geschlagen haben. Der Mann bekannte sich nicht schuldig.

Video von Frau mit anderem Mann gesehen

Der Angeklagte schilderte, er gegen zwei Uhr nachts nach Hause gefahren sei, nachdem er in den sozialen Medien Bilder von seiner Frau mit einem anderen Mann gesehen habe. Er habe ihr aber lediglich gesagt, sie solle ihre Sachen packen und ausziehen. Seine Frau sei daraufhin aggressiv geworden und in die Küche gelaufen. Deshalb habe er selbst die Polizei verständigt. Ein Messer habe er nie in der Hand gehabt, geschlagen habe er sie ebenfalls nicht. Wütend sei er nicht gewesen. Die Trennung sei für ihn ohnehin schon länger festgestanden. Geschockt habe ihn lediglich, dass seine Frau „mich und die Kinder so billig für einen Mann verkauft“ habe. Als er angekündigt habe, die alleinige Obsorge für die gemeinsamen Kinder beantragen zu wollen, sei sie wütend geworden.

Frau schildert Vorfall ganz anders

Die Ex-Ehefrau zeichnete vor Gericht ein völlig anderes Bild. Die Beziehung sei schon länger zerrüttet gewesen, beide hätten sich zur Scheidung entschlossen. Nachdem ihr Mann angekündigt habe, nicht mehr nach Hause zurückzukehren, habe sie einen neuen Partner kennengelernt. Außerdem habe sie ihr Mann betrogen. Als er in der Tatnacht plötzlich in der Wohnung erschienen sei, habe er sie mit einem Fleischmesser bedroht und angekündigt, sie umzubringen. Außerdem habe er ihr vor dem Eintreffen der Polizei gegen den rechten Oberarm geschlagen.

Warum sie den Vorfall erst rund zwei Wochen später bei der Polizei schilderte, wollte Richter Thomas Wehinger wissen. “Aus Angst”, erklärte das mutmaßliche Opfer. Nach der Nacht habe sie sich zunächst am Bahnhof Bregenz aufgehalten und anschließend Hilfe in der Frauennotwohnung gesucht. Dort sei schließlich auch ein Termin bei der Polizei vereinbart worden.

Im Zweifel freigesprochen

Staatsanwältin Sophia Gassner bezeichnete die Aussagen der Zeugin als glaubwürdig. Es gebe keinen nachvollziehbaren Grund, den Ex-Mann zu Unrecht zu belasten. Die Opfervertreterin beantragte unter anderem 500 Euro Teilschmerzengeld.

Richter Wehinger sprach den Angeklagten dennoch frei. Beide Schilderungen seien durchaus glaubwürdig und nachvollziehbar. Welche Version tatsächlich zutreffe, lasse sich jedoch nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit feststellen. Für die Darstellung des Angeklagten spreche unter anderem, dass die Polizei in der Tatnacht die Frau aus der Wohnung gebracht habe und in der Frauenunterkunft keine Verletzungen dokumentiert worden seien. Gleichzeitig halte er es für wenig wahrscheinlich, dass der Angeklagte während des Streits völlig ruhig geblieben sei.